Ist Google Analytics illegal? Die IP-Nummer und die deutschen Datenschutzbeauftragten

Die ganze Verlogenheit einiger Entwicklungen beim Thema "Datenschutz" wird diese Woche einmal wieder überdeutlich. Während - vorbei an jeder öffentlichen Debatte - Europäische und US-Behörden sich das Recht abnicken lassen, ALLE noch so persönlichen Daten von Banküberweisungen einsehen zu dürfen und jeder Form der Rasterfahndung zu unterziehen, wollen nahezu zeitgleich die Landesdatenschutzbeauftragten ernsthaft beschließen, dass bei einem Besuch einer Website die IP-Nummer des Besuchers nicht gespeichert werden darf. Diese Herren sind im so genannten "Düsseldorfer Kreis" zusammengeschlossen. Der Text der aktuellen Beschlussvorlage des Düsseldorfer Kreises ist hier zu finden.

Als Begründung dafür muss herhalten, dass die IP-Nummer ein "personenbezogenes" Datum sei, das nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Nutzers gespeichert werden darf.

Ich würde das mal als ziemlich weit her geholt betrachten, oder - salopper formuliert: selten so gelacht. Dazu einmal ein paar Fakten: IP-Nummern, wie sie die meisten Web-Server ständig in ihre Log-Files schreiben, sind 
  • nicht einer Person sondern einem Internet-Knoten zugewiesen
  • ändern sich bei der überwiegenden Mehrheit der privaten Anschlüsse regelmäßig (werden zufällig neu vergeben)
  • werden typischerweise bei mehreren Nutzern in einem Haushalt oder einer Firma gemeinsam genutzt (können also nicht einer Person zugeordnet werden)
Worum es tatsächlich geht, ist dass dieser Gruppe der Landesdatenschutzbeauftragten die Arbeit von Google, speziell auch Google Analytics und ähnlichen Services ein Dorn im Auge ist (aus nachvollziehbaren Gründen, die ich allerdings surreal finde). Indem sie die IP-Nummer als "personenbezogen" deklarieren - was ich für absurd halte und in juristischen Kreisen stark umstritten ist - bauen sie bewusst eine Popanz auf, um ihre Sicht der Dinge ohne tatsächliche gesetzliche Grundlage durchzusetzen

Alle diejenigen, die sich mit dem wachsenden Erfolg des Unternehmens auf das Feindbild Google eingeschossen haben, und sich nun vielleicht freuen, dass endlich jemand dem "Bösen Google Einhalt gebietet", sollten bedenken:
  • Das Vorgehen, das die Datenschutzbeauftragten nun kriminalisieren wollen, ist Grundlage fast aller Analysedienste, die "Besuche" (Visits) auswerten. Das betrifft nicht allein Google Analytics sondern nahezu alle in diesem Umfeld genutzen Systeme - auch die großen kommerziellen Produkte wie Webtrends, Omniture und Konsorten, genauso wie die "kleine" Lösungen á la eTracker und Konsorten.
  • Einige dieser Lösungen erlauben es zwar, alternativ mit gekürzten IP-Nummern oder Hashes zu arbeiten. Sobald dabei aber (vor der Kürzung oder ver-hashung), die IP-Nummern in einer Art und Weise verwendet werden, die der Düsseldorfer Kreis für "personenbezogen" hält, ist das nur mit vorheriger, expliziter Zustimmung der Nutzer zulässig. Eine Auswertung, aus welchen Regionen Deutschlands oder der Welt die Besucher kommen, ist damit zum Beispiel quasi illegal. (Dieses Beispiel steht explizit im Entwurf für den Beschluss des Düsseldorfer Kreises.) 
  • Im Grund muss sich jeder Betreiber eine Website (egal ob er diese Daten mit einem Analytics Package untersucht oder nicht) ansehen, was seine Webserver loggen. Wenn da die IP-Adresse dabei ist, müsste dieser Websitebetreiber in den nächsten Monaten eine Strafbefehl des Landesdatenschutzbeauftragten bekommen.
  • Wer meint, diese Einschränkungen ja zur Not mit Hilfe von Cookies umgehen zu können ... lese bitte hier über die aktuellen Bestrebungen auf EU-Ebene, Cookies faktisch zu verbieten.
Zusammengefasst: Worum es dem Düsseldorfer Kreis wirklich geht, ist es, letztendlich jede tiefergehende Analyse zur Gewinnung von Daten über reale Attribute der Besucher sowie die Korrelation von Daten über mehrere Besuche hinweg zu kriminalisieren! Dies wird nur für deutsche Website-Betreiber gelten. US-Websites und Websites in anderen Ländern können selbstverständlich weiterhin solche Analysen durchführen, diese zur Verbesserung ihrer Conversion-Rates nutzen und daraus abgeleitete personalisierte Services für ihre Besucher bieten.

Irrsinn!

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Posted 4 days ago

Herr Schirrmacher, Payback und der gesellschaftliche Wandel durch das (Social) Web

Foto: dpa
Die Erkenntnis, dass das Web - insbesondere in seiner neuesten Darreichungsform des Social Webs - etwas ist, das unsere Gesellschaft nachhaltig verändern wird, ist für die Digital Natives unter uns nicht wirklich etwas Überraschendes oder auch nur Neues. 

Inzwischen beginnt sich dieser Erkenntnis jedoch langsam aber sicher auch außerhalb der eher geekigen Kreise durchzusetzen. Das ist neu. Bis vor wenigen Monaten nahm die etablierte Elite - insbesondere die "kulturelle" - das Web zwar teils wohlwollend, teils ängstlich ablehnend zu Kenntnis. Wortmeldungen der üblichen Verdächtigen beschränkten sich aber entweder auf arrogante Festellungen der "Tatsache", dass die digitale Kommunikation in erster Line eine Verrohung der Sitten ist ("nichts kann das persönliche Gespräch bzw. den handgeschriebenen Brief auf Büttenpapier ersetzen") oder zumindest bekämpft werden muss, um hochstehende Kulturgüter zu retten.

Ob sich diese Grundhaltung und emotionale Bewertung geändert hat, kann ich persönlich nicht beurteilen. Aber zumindest schein dem einen oder anderen Leitintellektuellen langsam aufzugehen, dass
  1. die Uhr nicht mehr vor das Internet zurück gedreht werden kann
  2. das Web zu einem tiefgreifenden Wandel nicht nur im Geschäftsleben sondern auch in Kultur und gesellschaftlichen Zusammenleben führt
  3. das alles nicht nur schlechte Seiten hat
Untrügliches Zeichen dafür ist meines Erachtens die Tatsache, dass jemand wie Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ und unbedachten Early-Adopter-Tums völlig unverdächtig, ein Buch zu diesem Thema verfasst und das in einem Spiegel Beitrag und einer Talkshow-Tournee vermarktet. Wenige Tage später ist wieder auf Spiegel Online ein Essay von Stefan Münker, Suhrkamp-Autor und ZDF-Redakteur, zum Thema Soziale Netzwerke zu finden, welches diese nicht mehr - oh Wunder - pauschal als unmenschlich oder "virtuell" verteufelt. Stattdessen konstatiert er in guter 68er Stil (und predigt praktisch Auszüge aus dem Clue Train Manifesto):

Erst jetzt, und auch nur mit den Web-2.0-Anwendungen, wird die massenhaft verbreitete Nutzung gemeinschaftlich geteilter interaktiver Medien zum ersten Mal Wirklichkeit; die kollaborativen Projekte seiner Sozialen Medien realisieren eine Praxis der partizipatorischen Mediennutzung, die zumeist überraschend effizient und dabei fast immer demokratischer ist, als wir es von früheren Medien gewohnt sind.

Schirrmacher und die Payback-Welle
Die große Welle hat natürlich Schirrmacher, Leitwolf der Rechtsintellektuellen in Deutschland, gemacht, unter anderem, weil er sein neues Werk kurz darauf in allen üblichen Schwatzsendungen im öffentlich-rechtlichen und privaten TV präsentieren durfte. Und ausnahmsweise finde ich seine Ausführungen interessant - zumindest die im Text; die Interviewauszüge, die ich dazu gelesen habe, waren gar zu einseitig und populistisch.

Schirrmacher beginnt zwar mit der nicht unüblichen (und nicht unberechtigten Klage) über Information Overload (der Spiegel-Beitrag heißt ja nicht von ungeführ "Mein Kopf kommt nicht mehr mit":

Mir scheint, dass viele Leute gerade merken, welchen Preis wir zahlen. Buchstäblich. Ich bin unkonzentriert, vergesslich, und mein Hirn gibt jeder Ablenkung nach. Ich lebe ständig mit dem Gefühl, eine Information zu versäumen oder zu vergessen. Und das Schlimmste: Ich weiß noch nicht einmal, ob das, was ich weiß, wichtig ist oder das, was ich vergessen habe, unwichtig.
Kurzum: Ich werde aufgefressen.

Danach schließen sich aber einige Überlegungen an, die ich bedenkenswert finde. Ich muss zugeben, dass ich das von einem konservativen Knochen wie Schirrmacher nicht erwartet hätte. Aber der Mann ist zwar konservativ zugleich jedoch hochintelligent. Deshalb wird auch ihm klar:

Die Informationsexplosion wird unser Gedächtnis, unsere Aufmerksamkeit und unsere geistigen Fähigkeiten verändern, unser Gehirn physisch verändern, vergleichbar nur den Muskel- und Körperveränderungen der Menschen im Zeitalter der industriellen Revolution. Kein Mensch kann sich diesem Wandel entziehen. Aber das sind nur Vorbereitungen auf einen ungleich größeren Wandel.

Das ist so. Und keine Bestandsschutzgesetze werden das verhindern können. Auch nicht, wenn wir es als beängstigend und unbequem empfinden. Es wird passieren. Es zu beklagen oder zu bekämpfen ist verständlich aber wenig Erfolg versprechend - auch, weil diese Revolution die Ansätze zur Bewältigung der durch sie verursachten Probleme schon in sich trägt.


Schirrmachers Buch und Marketing-Tournee hat selbstverständlich einen enormen Backlash unter den Digiterati in Deutschland verursacht. Siehe unter anderem in der Süddeutschen und wieder bei Spiegel Online.) Süffisant bis aggressiv wirft man ihm vor, das ganze Thema (1) nicht verstanden zu haben, (2) nicht verstehen zu können, weil er nicht mitmacht, sondern nur von außen zusieht und (3) von sich auf andere zu schließen. Stimmt vermutlich, aber ...

Damit ist er nicht allein! 

Wo Schirrmacher weiter ist als seine Fans und Gegner erkennen
Menschen lieben es nicht wirklich, sich mit Neuem auseinanderzusetzen (zumindest nicht viele). Und wenn dieses Neue ihnen zudem noch unangenehme Gefühle verursacht (und das tun die Ausdrucksformen des Social Web bei Vielen), neigen sie dazu, mit Ablehnung zu reagieren. Je nach Persönlichkeitsprofil finden sie es entweder doof und überflüssig oder gemeingefährlich. Beide Sichtweisen waren und sind in der öffentlichen Diskussion zu finden. Schirrmacher ist einen Schritt weiter: ihm gefällt nicht, was passiert, aber er akzeptiert es als quasi unvermeidlich und fragt sich, wie aus dieser Entwicklung Positives werden kann.

Aber im Internet und den digitalen Technologien steckt auch eine gewaltige Chance. Denn es gibt einen Ausweg, der selten so gangbar schien wie heute: Die Perfektion der entstehenden Systeme hilft uns nur, wenn wir uns erlauben, weniger perfekt zu sein, ja aus unserem Mangel und unserer Unvollständigkeit etwas zu stärken, was Computer nicht haben und worum sie uns beneiden müssten: Kreativität, Toleranz und Geistesgegenwart.

Wie Schirrmacher selbst es schreibt - und ich erspare mir detaillierte Zitate - können Computer - insbesondere Computer, die über das Netzwerk miteinander verknüpft sind, viele Dinge einfach besser, als Menschen. Wir müssen das nur akzeptieren, uns auf diese Unterstützung einlassen und beginnen, eine Gesellschaft zu errichten, in der noch mehr Menschen als Heute diese Unterstützung noch mehr als Heute zu ihrem Vorteil nutzen und ihren Stolz und ihr Selbstbewußtsein nicht aus Fähigkeiten ziehen, die für kleines Geld Jedem zur Verfügung stehen.

Das aber ist ein echter Paradigmenwechsel.

Es ist schade, das diese Perspektive, die Schirrmacher durchaus wichtig ist, in der aktuellen Diskussion um sein Buch nahezu untergeht. Die Einen ergötzen sich lediglich am digitalen Grauen, das angeblich auf uns zu kommt und beklagen in alter Manier den Untergang des Abendlands (also, dass Amazon weiß, dass sie mal erotische Literatur gekauft haben). Die Anderen reagieren aggressiv, weil da jemand ihre Kultur von Transparenz und digitalem Aktivismus nicht "mag" und deshalb bekämpft werden muss. Schade ...

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Posted 6 days ago

Datenschutz ist wichtig, außer ...

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen (oder besser nicht!): die selben Personen, die selben Institutionen,

weil das alles höchst heikel ist und bösen Firmen erlauben könnte, "Profile" anzulegen, mit denen sie uns Konsumenten ihre Angebote in dem Moment präsentieren, in dem wir Bedarf haben und wir sie dann - Oh mein Gott!!!!! - eventuell auch kaufen !!!!! 

Also diese wohlwollenden, fürsorglichen Menschen von letzter Woche wollen diese Woche eine Geheimgesetz durchwinken, das 

Konkret bedeutet das, wenn ein EU-Bürger innerhalb der EU Geld überweist, [...] US-Ermittler diese Daten abgreifen [dürfen]:
  • Informationen über den Urheber oder Empfänger der Transaktion wie Namen, Kontonummer, Adresse
  • Nationale Identifikationsnummern (zum Beispiel Nummern von Ausweisen wie Pass oder Personalausweis)
  • weitere persönliche Daten
Sie wollen das vor allem auch ganz schnell machen, bevor das EU-Parlament darüber in öffentlicher Sitzung debattieren darf. Nein, auch Tante Leutheuser-Schnarrenberger wird uns nicht davor schützen, dass uns die anderen beschützen - in diesem Fall nicht vor Datenräubern sondern vor Terroristen. Und Tante von der Leyen wurde gar nicht gefragt. Die findet das aber bestimmt gut. Bestimmt kann man uns so auch vor Kinderschändern schützen. 

Liebe Leute, die einzig sinnvolle Antwort darauf, wenn mir ein Politiker, der im Sattel sitzt, erzählt, dass er mich vor Bedrohung X schützen will, ist ein lautes, bitteres Lachen. :(

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Posted 7 days ago

Ein echter Unterschied zwischen "altem" und "Online Journalismus"?

Als ich gestern Abend noch einmal die Inhalte einiger Blog-Beiträge durchblätterte, musste ich einmal wieder an eines meines Lieblingszitate zum Thema Journalismus denken:

Ein guter Journalist macht sich nicht mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten Sache.
 

Gesagt hat das Hajo Friedrichs, Urgestein des deutschen TV-Journalismus und es beschreibt das Ethos der alten (guten) Journalisten kompakt und ziemlich gut. In diesem einen Satz steckt so viel: Objektivität, Ausgewogenheit, Fairness, ergebnisoffene Berichterstattung, Respekt ... Das hat er schön gesagt, der leider schon lang verstorbene Hajo! 

Im "klassischen" (wenn es denn so etwas schon gibt) Online-Journalismus wäre ein solcher Anspruch geradezu absurd. Die meisten Autoren berichten bewusst einseitig, haben eine Meinung, gelegentlich sogar eine Agenda, eine "Mission" und lassen die sehr offen erkennen. Ausgewogenheit erwartet man als Leser auch gar nicht mehr. Manchmal liest sich das sich für eine alten Sack wie mich schon komisch. Selbst "professionelle" Journalisten ignorieren alles, was sie zu diesem Ethos einmal gelernt haben, sobald sie nicht mehr fürs Papier schreiben sondern für ein Blog. :) 

Ich will nun auf keinen Fall behaupten, dass das Friedrich'sche Motto vor dem Aufkommen des Web (2.0) von vielen Journalisten eingehalten worden wäre. :) Das wäre gar zu naiv. Tatsächlich ist es ja auch ein bisschen viel verlangt von einem Menschen, die persönlichen Ansichten und Bewertungen außen vor zu lassen, wenn er über Geschehnisse berichtet. Im Boulevard-Journalismus war das nie wirklich ein Thema und auch z.B. Spiegel-Autoren hatten meines Erachtens oft viel mehr Freude daran, eine Person, Institution oder Firma elegant in die Pfanne zu hauen, als wirklich dem journalistischen Auftrag der Berichterstattung nachzukommen. Ehrlich gesagt, liest sich das auch süffiger und wird entsprechend vom Publikum goutiert. Dieser Tonfall des scheinbar investigativen Journalismus hat sich in den 80er und 90er Jahren dann massiv im Print-Bereich und im Fernsehen ausgebreitet. Dabei werden noch die Rituale des alten Journalismus eingehalten (Hinterfragen, beide Seiten zu Wort kommen lassen) aber in sinnentleerter und manchmal geradezu menschenverachtender Form.

Vielleicht war es deshalb auch von mir ein bisschen unfair, diesen Wandel dem Aufkommen des Web zuzuordnen. Die Entwicklung hat früher begonnen ... Aber ich denke, die totale Subjektivierung der Berichterstattung ist mit Blogs und dem heutigen Social Web tatsächlich akzeptiert und Standard geworden. Ist so. Und ich muss - und kann - damit leben. Manchmal wünsche ich mir trotzdem ein paar Hajo Friedrichse auch im Web :)
 

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Posted 8 days ago

Paid Content Modelle im Web sind NICHT zum Scheitern verurteilt

Wer dieser Tage auf die einschlägigen Blogs und Websites der "Digital Natives" schaut, wird relativ häufig Kommentare zu Murchoch's Vorhaben, seine Publikationen aus der Google-Suche herauszunehmen, finden. Selbst auf Spiegel Online kommentieren die Web-Zuständigen unter dem Tenor "Das muss schiefgehen!" Frank Patalong schreibt zum Beispiel (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,662779,00.html):

Murdoch scheint zu glauben, dass die Nachrichten seiner Unternehmen dem Web fehlen werden, wenn er sie dem kostenlosen Web entzieht. Das ist natürlich ein Irrtum, denn das Gros der Nachrichten macht News Corp. ja nicht, sondern berichtet sie nur: Die Themen sind nach wie vor da, für alle zu lesen

Viele andere Beiträge auf Twitter, Weblogs etc. stimmen ein.

Ist das wirklich so einfach? Spielen für die Leute "News-Marken" wirklich keine Rolle mehr, solange die News halt irgendwo anders durch Google zu finden sind? Ich denke, dass es ganz so einfach nicht ist. Ich selbst bin schon noch viel bei Spiegel, FTD und Handelsblatt im Web unterwegs, obwohl die "News" doch auch über andere Aggregatoren zu finden wären. Ich denke nicht, dass ich damit allein bin.

Und die Strategie von Microsoft, Bing durch exklusive Vereinbarungen mit Content-Lieferanten (und Zusatzdienste wie Wolfram Alpha) aufzuwerten und Google so Marktanteile abzugraben ist auch nicht per se zum Scheitern verurteilt. Die Gründe dafür hat Ginsu Yoon in einem Satz zusammengefasst (http://blog.ginsudo.com/2009/11/23/google-killer/).

If the New York Times and Wikipedia are de-indexed from Google, I’m going to stop using Google in favor of the search engine that has those two. 

Da ist etwas Wahres dran. Ich denke, guter Content (und guter Journalismus) ist immer noch etwas wert und die Leute werden bereit sein, dafür (kleine) Beträge zu zahlen. Ob das mit den heute üblichen Bezahlsystemen funktionieren wird, da bin ich mir nicht sicher. Springers Ansätze in Deutschland halte ich aus diesem Grund für ziemlich riskant. Content zu bezahlen ist derzeit einfach zu umständlich - insbesondere, wenn man sich den gar nicht so unwahrscheinlichen Fall vorstellt, dass jemand ein Dutzend Premium-Content-Lieferanten abonnieren möchte. Soviele Apps und Abrechnungsvereinbarungen zu handeln ist schon mehr als ein bisschen umständlich. Eine ubiquitäre Plattform, die es - wie einst bei Btx - möglich macht, für den Aufruf einer Seite 1 Cent zu berechnen (oder gar weniger) wäre da meines Erachtens eine bessere und weitaus Erfolg versprechende Lösung. Bequemlichkeit (Usability) siegt. Aber noch gibt es diese Plattform nicht ... 

Da ist es einfacher, sich das "paid" von "paid content" von einer anderen Firma zu holen, wie es Murdoch mit Microsoft Bing vorhat. Das wird Microsoft ordentlich etwas kosten, aber (nochmal Ginsu Yoon dazu): 

Sure it’ll be expensive to acquire the best content, but Microsoft’s got more cash than Google.

Vielleicht hat Microsoft nun endlich eine Taktik gefunden, wie es seine prall gefüllte Börse effektiv gegen Google einsetzen kann. Das muss man abwarten. Einfach zu sagen, "Das geht nicht, weil das Web so nicht funktioniert" halte ich zumindest für etwas vermessen und verfrüht.

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Posted 9 days ago

Amazon - Wie Best Practices die Erwartungshaltung ändern

Mir ist diese Woche einmal mehr aufgefallen, wie dramatisch die guten Erfahrungen mit Amazon in der letzten Zeit meine Erwartungshaltung im Versandhandel geändert haben. Noch vor ein oder zwei Jahren hätte ich bei einer Bestellung in einem Versandhaus (egal ob online oder offline) nicht wirklich erwartet, dass meine Bestellungen am anderen Tag eintreffen. Im Gegenteil. Speziell einige Modeversender, bei denen meine Frau ab und an einkauft, ließen sich schon mal 2 Tage bis 4 Wochen Zeit. In den letzten 12 - 15 Monaten habe ich relativ viel bei Amazon gekauft und ... das hat meine Erwartungshaltung dramatisch geändert. Bestellung problemlos, Abrechnung bequem, Rücksendung immer kulant und - wenn die Sachen "In Stock" waren - Lieferung am nächsten Tag. Selbst ein großes LCD-TV, das mit Spedition ausgeliefert wurde, war nach 2 Tagen da.

Letzten Sonntag habe ich dann einmal wieder etwas gekauft. Diesmal ein neues DECT Telefon, weil unser altes die Grätsche gemacht hat. Der Lieferant war zwar ein "Handelspartner" von Amazon, aber da habe ich mir nicht viel bei gedacht. Fehler! Dienstag bekam ich eine Email von Amazon, dass der Artikel versandt worden wäre. Eine parallele Email des Händlers sagte hingegen, dass die Waren "in Kürze"! versandt werden. Und "in Kürze" ist ein dehnbarer Begriff. Zumindest hat bis heute kein Päckchen oder Paket unseren Haushalt erreicht.

Vor zwei Jahren hätte mich das nicht weiter gewurmt. Aber jetzt - nachdem ich lange Zeit von der Amazon-Performance verwöhnt wurde - bin ich stinksauer. 

Fazit: Best Practices in kundenorientierten Prozessen sind nicht nur "an sich" erfolgsentscheidend für ein Unternehmen. Sie ändern auch die Erwartungshaltung auf Kundenseite und machen es damit dem Wettbewerb, der diese nicht erfüllt, noch schwerer. Ich jedenfalls werde nicht noch einmal einen Artikel auf Amazon kaufen, der nicht von Amazon selbst ausgeliefert wird,

Letztendlich denke ich, dass diese Performance das wahre Erfolgsgeheimnis von Amazon ist - nicht die schiere Größe oder monopolische Geschäftspraktiken. Amazon ist einfach perfekt in ein paar ganz altmodischen Kaufmannstugenden: Service, Freundlichkeit, Transparenz, Verläßlichkeit ... Das schafft Reputation. Die Firma muss nur wirklich aufpassen, dass sie sich den Ruf nicht durch ihre "Partner" verspielt.

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Posted 13 days ago

Ich habe die Zukunft des Spielfilms gesehen

Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich mal einen Blogpost getitelt "Ich habe die Zukunft des Spielfilms gesehen ...", nachdem ich mit meinem Sohnemann in Cars (dem Pixar-Film) war. Cars hat mich von der technischen Seite her wahnsinnig beeindruckt. Der Film ist selbstverständlich komplett im Computer entstanden. Trotzdem war Cars war nur noch da, wo die Filmemacher es wollten, zu erkennen, dass es sich nicht um Realaufnahmen handelte. Der Realismus ist an einigen Stellen extrem hoch. Ob Elemente realistisch oder cartoonig aussehen, ist in Cars keine Frage des "Könnens" mehr sondern eine rein gestalterische Entscheidung des Regisseurs. Das hat mir zu denken gegeben. Mein Fazit war:

Es mag blasphemisch klingen, aber nach Cars frage ich mich ernsthaft, wie lange man sich noch die Mühe machen - oder sich den Stress antun - wird, Filme in realer Umgebung zu drehen. Heute mag ein abendfüllender Film dieser Güte noch zig Millionen an technischen Produktionskosten verschlingen. Aber wenn das - nach Moores Law - in 10 Jahren jeder auf einem besseren Heim-PC rendern kann?

Heute bin ich über Spiegel Online, auf die aktuellen Beiträge zu Bitfilm-Festival gestoßen. Besonders beeindruckt hat mich Shelf Life, eine Art SF-Thriller aus der nahen Zukunft, ziemlich düster gemacht, wirklich spannend und vieler Hinsicht handwerklich sehr, sehr gut. Shelf Life ist ein 15-Minutenfilm, der komplett mit der HalfLife-Engine "gedreht" wurde - eine Technologie, die sich jeder für nicht mal 2.000 EUR auf den Schreibtisch stellen kann. Und was damit geht ... ist schon ziemlich cool. Nein, ich würde nicht behaupten, dass das nur annähernd in einer Liga mit Cars spielt (oder auch nur 3. Liga wäre, wenn Pixar in der 1. spielt.) Aber ... was ist in 10 Jahren, wenn ich die 30fache Rechenleistung für dieses Geld bekomme?

Was ich dann immer noch brauchen werde, sind gute Ideen, ein Drehbuch, Talent im Umgang mit der (virtuellen) Kamera etc. Aber ich werde kein Budget von mehreren Millionen mehr auftreiben müssen, um so einen Film Kino-Qualität zu produzieren zu können. "Richtige Filme" wird man dann im Keller oder Arbeitszimmer produzieren können. Wie heute schon Musik ... Spannende Zeiten, die da auf Hollywood zukommen (oder auf Babelsberg).

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Posted 2 months ago

Freiheit vs. Sicherheit & Bequemlichkeit - Das Open Source Dilemma

Warum verwenden immer noch so viele Menschen Microsoft Office? Es gibt doch Open Office ...
Warum benutzen so viele Leute PhotoShop? Es gibt doch Gimp ...
Warum kaufen so viele Leute iPods und iPhones? Es gibt doch viel billigere MP3-Player ...
Warum knacken nicht mehr Leute ihre iPhones? Es gibt doch viel billigere Verträge als T-Mobiles ...

Weil Ihnen Sicherheit und Bequemlichkeit wichtiger ist als "Freiheit" und sogar wichtiger als "kostenlos"!

Ich habe in den vergangenen Wochen versucht, mein altes iPhone zu jailbreaken (die Bindung an das T-Mobile Netz zu entfernen), weil ich es meiner Frau geben wollte. Und die hat keinen Bedarf an einem internetfähigen Smartphone (sie schätzt weder das Internet noch PCs besonders). Aber einen iPod kombiniert mit einem Mobil-Telefon könnte sie gut gebrauchen. Nur leider: ich bin zu blöd dafür. Nach drei frustrierenden Nachmittagen besteht das Teil immer noch auf eine T-Mobile-SIM. Also lassen wir das. Vielleicht kaufe ich ihr einfach ein neues iPhone mit einem günstigen T-Mobile Tarif.

Mich hat dieses Erlebnis wieder einmal an meine Zweifel zum Thema "Open Source" erinnert. Das Jailbreak-Erlebnis war typisch für viele Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit mit Open-Source-Software hatte: Versionszweifel. Kompatibilitätsprobleme. Mangel an brauchbarer Dokumentation. Fehlender Support. Benutzeroberflächen direkt aus der Usability-Hölle. Installationsanweisungen frei nach dem Motto "Stell erst ma sicher, dass Du den neusten GCC installiert hast, dann brauchst Du noch den letzten Release der ABC-Libs, unpacke das Tarball XYZ, editiere die Config-Datei Sowieso ..."

Nein, es ist keine böse Verschwörung der Großkonzerne, die bislang verhindert hat, dass Microsoft, Apple, Adobe etc. von den Schreibtischen der meisten Anwender vertrieben wurden und Linux seinen unvermeidlichen Siegeszug angetreten hat. Ein Großteil der erhältlichen Open-Source-Software ist schlicht und einfach untauglich für Non-Geeks - und das ist die überwiegende Mehrheit der potentiellen Anwender.

Warum ist Open-Source-Software oft so schlecht?
Ganz einfach: Viele Open-Source-Software wird von Entwicklern für Entwickler geschrieben. :) Da ist nichts böses dran, aber ... die Mehrzahl der potentiellen Anwender sind keine Entwickler. Sie haben andere Bedürfnisse, andere Vorkenntnisse, andere Einstellungen zum Thema, sie haben ein anderes "Mentales Modell", wie man im Kontext des UCD-Prozesses manchmal sagt. Das ist bei Software, die für Entwickler gedacht ist, bei Webservern, Datenbanken und Compilern, kein Problem. Da stimmt die "Ziel-Persona".

Für andere Arten von Software ist das Fehlen der Endanwender als mit-entscheidender Stakeholder im Entwicklungsprozess tödlich. Zumindest dann, wenn man Zielgruppen außerhalb der Entwicklergemeinde erreichen will.

Es gibt Ausnahmen, selbstverständlich. Das eine oder andere Open-Source-Projekt hat über die Jahre ein ordentliches Finish erhalten. Manchmal gibt es sogar lesbare Dokumentationen. Manchmal gibt es Organisationen oder Firmen, die sich um die Distribution der aktuellen Version (kombiniert mit passenden Dokus und Support) kümmern. Aber das sind Ausnahmen. Weil "Nur-Anwender" im Geschäftsmodell von Open-Source kein Standing haben.

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: ich halten "Offenheit" und Open-Source-Software für ne richtig tolle Sache. Und ich habe kein Problem damit, beides einzusetzen ... wenn es (für mich) funktioniert. Software muss für mich in erster Linie funktionieren, zuverlässig funktionieren. Dafür zahle ich gerne. Wenn sie dann noch "offen" und "quellcodeoffen" ist, ist das ein added value. Aber kein Selbstzweck.

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Posted 2 months ago

Der Case Nike - Produkte mit dem und für das Social Web entwickeln und Kunden begeistern

Ich selbst gehöre ja nicht zu den sportlichen Menschen. Mein Motto heißt "Sport ist Mord. Breitensport ist Massenmord." Das hält mich aber nicht davon ab, gelegentlich auch mal mit sportbegeisterten Kollegen über ihre ungesunden Obsessionen zu reden. Und das tat ich gestern mal wieder auf der Heimfahrt. Der liebe Kollege Volker hatte sich ganz frisch ein Nike SportBand (siehe hier) gekauft. Und das Teil ist wirklich cool. Ein cooles Produkt für Läufer und ein cooles Beispiel für den Einsatz von "Social Media" in Produktentwicklung und Marketing.

Simple Produkte sind die Besten
Im Kern ist SportBand ein USB-Stick mit einem winzigen Display und einem BlueTooth-Empfänger. Zusammen mit einem kleinen Sender, den man sich in die Sohle seines Jogging-Schuhs steckt, zeichnet er die eigenen Schritte beim sinnlosen Herumrennen auf. Steckt man ihn danach in den USB-Anschluß seines PCs, nimmt jener automatisch Kontakt mit der Nike-Website auf. Dort kann man sich einen Account einrichten und seine Lauf-Fortschritte aufzeichnen und hinterher bestaunen. Es gibt ein paar Listen und natürliche grafische Darstellungen.

Aber der Hammer ist die Vernetzung mit anderen Läufern: Über die Website kann ich andere Läufer - idealerweise mit ähnlichen Leistungsdaten - suchen und virtuell "gegen diese laufen". Ich kann mich mit anderen zu Mannschaften zusammentun, die gemeinsam ihre Performance verbessern wollen. Mannschaften können gegeneinander antreten. Ich kann sehen, wie Promis (Sportler und Andere) laufen und mich mit diesen vergleichen und und und ...

Das Ding ist ein Riesenerfolg. Viele Leser werden es kennen. Ich weiß nicht, wie viele Anwender es wöchentlich nutzen, aber es sind sicherlich Zigtausende oder Hunderttausende. Jeder von diesen hat eine wahnsinnig starke Aufmerksamkeit für die Marke Nike, verbindet absolut positive, starke Emotionen mit dieser Marke und ist Teil einer sich selbst stärkenden 'Community'.

Auch Laufleistungen sind user-generated Content
Nein, das ist nicht neu. Diese Anwendung gibt es seit mindestens  2 Jahren und tatsächlich habe ich sie das erste Mal im Zusammenhang mit dem iPod gesehen - für den es auch eine wunderbare kleine App für die Protokollierung seiner eigenen Lauferfolge gibt. (Da hieß es einfach Nike+; siehe hier) Aber mir ist erst in diesem Gespräch wieder aufgefallen, wie cool das ist - und das es "Sozial Media" par excellence ist. Das ist Community. Das ist User-Generated Content. Das ist Gruppendruck und Incentivierung über öffentliche Aufmerksamkeit. Es ist einfach perfekt.

Und im Grund steckt nur eine Idee dahinter: die eigene Laufleistung unaufwendig zu messen und mich mit anderen Läufern über das Internet zu vernetzen und zu vergleichen. Alles Andere "ergibt sich" mehr oder weniger wie von selbst.

Ich weiß nicht, wer diese Idee gehabt hat, und kann nur hoffen, dass er/sie dafür ordentlich honoriert wurde.

Diese Anwendung zeigt aber nicht nur, wie man "social media" im Produktmarketing clever einsetzen kann. Sie macht auch noch einmal deutlich, wie erbärmlich die Aktivitäten vieler anderer Unternehmen auf diesem Gebiet sind.

Eine Facebook-Seite einrichten und Links zu den letzten Pressemitteilungen twittern ist keine Social-Media-Strategie. Eine sinnlose iPhone-Applikation ohne Mehrwert in den AppStore stellen, ist keine Mobile-Strategie!

Was Unternehmen aus dem Nike-Case lernen können
Natürlich hat nicht jedes Unternehmen eine ähnlich fanatische Fangemeinde wie Nike. Und vielleicht lässt sich nicht zu jeder Marke bzw. zu jedem Produkt ein ähnlich genialer Ansatz für eine Community finden, wie in diesem Fall. Aber das heißt nicht, dass man sich mit einem öden Me-too-Ansatz zufrieden geben sollte ("Wir machen jetzt auch was in Community - cool!").

Nike legt die Latte hoch, ist aber zugleich ein schönes Beispiel und zeigt eine Menge konzeptionelle Ansätze für eine Erfolg versprechende Community:

  • Bei Aktivitäten ansetzen, die die Kunden schon heute (gerne) machen
  • Nutzenargumentation (Nutzen für Teilnehmer) entwickeln und deutlich machen
  • Vernetzung fördern
  • Positives Feedback fördern
  • Mehrwerte (für den Teilnehmer) schaffen, wenn Aktivitäten gemeinsam angegangen werden
  • Solo-Play aber nicht ausschließen
  • User-generated Content berücksichtigen
  • Was "user-generated Content" sein kann, überdenken
  • An die Eitelkeit der Menschen appellieren
  • An den Wettbewerbsgeist der Menschen appellieren
  • Weiterentwicklung der Teilnehmer ermöglichen und deutlich machen
  • Trophäen bieten
  • Sammelleidenschaft fördern und befriedigen
  • Gruppendruck erzeugen (Mannschaftsgeist fördern)
  • Celebrities/Vorbilder integrieren

Wenn ein Projekt nicht wenigstens vier oder fünf dieser Anforderungen glaubhaft erfüllt, sollte man über eine Umsetzung vielleicht noch mal nachdenken. Am Rande bemerkt: viele dieser Kriterien stammen aus den Erfolgsmerkmalen für erfolgreichen Gemeinschaftsspiele ;-) Siehe dzu auch einen ollen Artikel von mir.

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Posted 2 months ago

Warum der Apple Tablet PC ein (durchschlagender) Erfolg wird

Natürlich, weil er von Apple kommt! ;-)


Spaß beiseite. Tatsächlich ist die Marke Apple inzwischen sicherlich ein wichtiges "Feature" für ein Hightech-Produkt, aber es gibt tatsächlich gute Gründe für die Annahme, dass die Idee des Tablet PC (oder Touch PC oder MediaPad oder wie auch immer man diese Kategorie letztendlich benennen wird) sich durchsetzen wird. Tatsächlich würde ich die Behauptung sogar noch etwas schärfer formulieren:

Der kommende Tablet PC von Apple wird nicht nur ein Riesenerfolg für die Firma werden. Er wird unser Verständnis eines mobilen PCs neu definieren und im Laufe der nächsten 3 Jahre zum Vorbild für alle neuen Geräte in diesem Marktsegment werden - wie es das iPhone heute für das Marktsegment der Smartphones ist.

Feuchter Traum eines unverbesserlichen Apple Fanboys? Könnte man meinen. Denn tatsächlich ist die Idee eines Tablet-PCs, bei dem die primären Eingabemedien nicht mehr Tastatur und Maus sind, sondern der Bildschirm diese Funktion mit übernimmt, schon mehr als einmal gescheitert. Es hat schon mindestens zwei (je nach Auslegung der Geschichte vielleicht auch drei) Generationen dieses Ansatzes gegeben. Ich selbst habe im Laufe meiner langen PC-Karriere zwei solcher Kisten mein Eigen genannt ... und sie nach jeweils einem halben Jahr wieder ausgemustert. Diesmal wird es anders sein.

Warum ist die Situation jetzt eine andere?
Dass sich die Marktchancen für diese Geräteklasse dramatisch geändert haben, liegt nicht (allein) am Namen Apple. Dafür gibt es eine ganze Reihe von ganz sachlichen Gründen. Die wichtigsten sind

  • Handschrifterkennung wurde überbewertet
  • Ein Gerät für Alle Jobs gilt nicht mehr
  • Das Internet
  • Eine neue Zielgruppe

Handschrifterkennung
Bei den Versuchen, Tablet-PCs zu etablieren, spielte die Handschrifterkennung eine große Rolle. Teilweise wurde die Tastatur sogar als unnatürlich verteufelt und das Schreiben mit dem Stift als sozusagen natürlichste Form der Textgenerierung angepriesen. (Die bisherigen Tablet PCs basierten alle auf der Arbeit mit einem Stift - nicht dem Finger). Ob das so ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Fakt ist, dass Handschrifterkennung bis heute auf einem technischen Stand ist, der sich beeindruckend anhört ("98% Trefferquote") in der Praxis aber extrem frustrierend ist. Das mag sich irgendwann einmal ändern. Heute ist es leider immer noch so. Die früheren Tablet PCs, bei denen Handschrifterkennung immer als eines der wesentlichen Features angepriesen wurde, waren allein deshalb zum Scheitern verdammt - außerhalb kleiner Nischen, wo kaum Texteingabe/erfassung nötig war. 

Ein Gerät für alle Jobs
Selbstverständlich hätte man daraufhin sagen können: OK, dann nehmen wir doch den Tablet-PC für diese Aufgaben und für die restlichen Jobs einen klassischen PC oder ein Notebook. Leider aber waren PCs bis vor kurzem so teuer, dass sich die Idee, zwei oder drei für verschiedene Arbeiten zuzulegen, für die meisten Anwender (und Firmen) geradezu absurd anhörte. Die früheren Tablet PCs kamen deshalb immer auch mit dem Anspruch daher "One for All" zu sein, mussten eine Tastatur integrieren (siehe oben), Windows und die üblichen Office-Programme beherrschen, deshalb leistungsstark - und damit auch relativ groß - sein. Frustrierend war auch, dass diese recht teuren Geräte im Büroeinsatz typischerweise zu ganz normalen Laptops mutieren mussten. Selbst in den offiziell angepassten Versionen waren Windows und Office ohne Tastatur und Maus nie wirklich gut zu bedienen.

Die Kosten-/Nutzenrelation ist nun eine komplett andere. Zwischen 300 und 1000 EUR gibt es wunderbare PCs. Für den Betrag, den man noch vor wenigen Jahren für ein ordentliches Notebook anlegen musste, kann man jetzt tatsächlich drei oder vier Geräte kaufen. Einen für die schnöden Bürojobs, einen für den ganzen Rest.

Das Internet
Was man sogar auf den heute erhältlichen Tablet PCs relativ gut machen kann, ist ... im Internet zu browsen. Informationen zu suchen (oder Unterhaltung zu genießen), Seiten zu durchblättern, gelegentlich mal ein Formular auszufüllen und eine kurze IM abzusetzen ist etwas Anderes als Texte, Grafiken, Präsentationen und Tabellen zu erstellen und zu bearbeiten, als in ERP-Programmen seinem (Büro-) Job nachzugehen etc. Tatsächlich ist ein Großteil der Interaktion mit dem PC heutzutage ... im Internet browsen.

Eine neue Zielgruppe
Damit wären wir nun schon beim vierten und letzten Argument, warum die Zeit nun reif ist für den Tablet (Touch) PC: In der Vergangenheit waren die Unternehmen der größte und lukrativste Markt für die PC-Hersteller. Auch das hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert: schon heute werden die größte Stückzahlen (vor allem die preisgünstigen Modelle) in dem Heim- und Privat-Bereich verkauft. Der beliebteste Formfaktor ist hier schon länger das Notebook/Laptop - und in jüngster Zeit das Netbook.

Und was macht man mit diesen Geräten vorzugsweise (im Privatbereich)? Ganz einfach:

  • Im Internet browsen
  • Bilder und Videos ansehen
  • Spielen
  • Kommunizieren (Email, IM, Chat)
Die typischen Büroanwendungen, für die man eine schnelle und präzise Texteingabe und (für Korrekturen und grafische Darstellungen) präzise Steuerung und Bewegung auf dem Bildschirm braucht ... nutzt der Privatanwender eher selten!

Ein Touch-Tablet ist der ideale PC für daheim
Und deshalb ist ein gut gemachter Tablet PC so ideal für dieses Segment (das langfristig weitaus größte) und sogar für viele Büroanwendungen. Er wird klein, (wird) relativ billig und ausreichend leistungsstark sein für die Arbeit mit einem modernen Browser, für Games (die keine hochgezüchtete 3D Grafik verlangen) und die digitale Kommunikation per Email, Chat, IM und Skype.

Er wird gut aussehen: flach und elegant. Deshalb wird man ihn nicht im Arbeitszimmer verstecken müssen sondern er wird auch auf dem Sofatisch (oder gleich auf dem Sofa) und am Frühstückstisch eine gute Figur machen.

Er wird ständig mit dem Internet verbunden sein und die Programme und Inhalte, die man mit ihm benutzt oder betrachtet, werden alle aus dem Internet kommen. Welcher Anwender hat schon Lust, Software zu installieren, upzudaten, zu konfigurieren?

Sein Betriebssystem und dessen Benutzeroberfläche werden extrem simpel und eigentlich kaum zu bemerken sein. Wer begeistert sich schon für Prozesse, Dateien und Ordner? Das aktuelle iPhone, Android und die ersten Snapshots von Google's neuem ChromeOS  zeigen, wo es langgeht.

Kurz und gut: er wird das sein, was der Großteil der Leute wirklich haben will - auch, wenn sie es heute noch nicht wissen ;-)

Und warum von Apple?
Apple ist eine der wenigen Firmen, der ich es zutraue, ein solches Produkt mit der Perfektion und dem Sexappeal zu entwickeln und zu vermarkten, die unerläßlich sind, um  am Anfang das nötige Begehren beim Konsumenten auszulösen. Apple hat zudem eine Riesen-Fangemeinde, aus der sich die nötigen Early Adopter rekrutieren werden. Und Apple hat im iPhone AppStore zig Tausende von Programmen bereit, die für die Bedienung über einen berührungsempfindlichen Bildschirm optimiert sind.

Es spricht deshalb viel dafür, dass sich auch in diesem Markt die Erfolgsstory von iPod und iPhone wiederholen wird.

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Comments (3)
Posted 3 months ago